Wer einen Handwerker braucht, muss inzwischen lange auf ein Angebot und noch länger auf die Ausführung warten. Die Auftragsbücher der Handwerker sind prall gefüllt und können aufgrund des Fachkräftemangels nicht abgearbeitet werden. Man schätzt die Zahl der fehlenden Fachkräfte mittlerweile auf ca. 200.000 in Deutschland, jedes Jahr bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

Der Grund liegt hauptsächlich im Trend zum Studium. Die Gesellschaft sieht vielfach in einem Handwerksberuf die letzte Option für Schüler, die wenig gebildet, unmotiviert und unflexibel sind und denen der Weg in eine weiterführende Schule verwehrt geblieben ist. Er genießt weit weniger Ansehen als akademische Berufe. Außerdem wird körperliche Arbeit als unbequem, uncool, eintönig und anstrengend betrachtet. Nicht zuletzt steht die falsche und doch weitverbreitete Meinung im Raum, dass in handwerklichen Berufen nur ein geringer Verdienst zu erzielen ist. Gerade vom Elternhaus wird eine Karriere im akademischen Bereich angestrebt und die Kinder und Jugendlichen dahin gelenkt .

All diese Vorurteile können widerlegt werden.

Handwerk ist vielseitig, abwechslungsreich, kreativ, konstruktiv und erfüllend. Es erfordert  Teamgeist, Flexibilität, Verantwortung, Intelligenz und Mitdenken, um gute Ergebnisse zu erzielen. Mit Engagement und Motivation lässt sich viel erreichen. Die Arbeit macht Spaß und das Selbstwertgefühl wird gefördert. Das schlägt sich nicht zuletzt im Lohn positiv nieder. Das Geldverdienen beginnt schon in der Lehrzeit, also Jahre früher als bei Gleichaltrigen, die Abitur oder Studium absolvieren. Während die Studenten noch finanziell von ihren Eltern abhängig sind, hat der Handwerker schon ein gutes Einkommen erzielt. Ein besonderer Effekt ist der sichere Arbeitsplatz , gute  Handwerker sind unverzichtbar und ein wichtiger Bestandteil unseres sozialen, ökonomischen und politischen Umfelds.

Berufe im Handwerk haben Zukunft, Aufstiegsmöglichkeiten und durchaus Karrierechancen.  Der Meisterstitel berechtigt zur Gründung eines eigenen oder die Möglichkeit der Übernahme eines vorhandenen Betriebes. Durch die Selbständigkeit eröffnen sich weitere Perspektiven.

Eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb hat durchaus Potenzial und ist eine echte Alternative mit Erfolg versprechenden Chancen und sehr guten Zukunftsaussichten. Studieren mit oder ohne Abitur, das Handwerk gibt die Möglichkeit dazu. Der Erwerb des Meistertitels ist nach abgeschlossener Berufsausbildung in einem Handwerksbereich möglich.

Eine Alternative ist das duale Studium. Es kombiniert die Lehrzeit mit einem Hochschulstudium. Ist der Bachelor-Abschluss mit dem Gesellenbrief vorhanden, kann die Meisterprüfung folgen. Der Vorteil liegt in der Verbindung von praktischem Hintergrundwissen mit wirtschaftlichen und theoretischen Aspekten.

Eine weitere Option ist das triale Studium Handwerksmanagement. Voraussetzung hierfür ist ein Abitur bzw. Fachabitur. Dieses Ausbildungsmodell bietet eine gleichzeitige Lehre im Ausbildungsberuf, Studiengang zum Bachelor und den Erwerb des Meisterbriefes.

Jeder Jugendliche sollte den Beruf wählen, der zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Die von den Handwerksbetrieben angebotenen Praktika geben den Schülern Einblicke und konkrete Vorstellungen zu den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen und sollten genutzt werden.